Botschaft der Republik Slowenien in Berlin /Ansprache der Botschafterin /

Wie einfach oder schwierig ist es, einen Rückblick auf das sich dem Ende zuneigende Jahr zu ziehen? Was wird in die Erinnerung eingehen? Was hat uns Freude bereitet?

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internet- und  Facebook-Seite!

Das Jahr 2015 war vor allem anders. Sicherlich haben auch wir uns Ziele gesetzt und genau geplant, was wir alles erarbeiten möchten. Unsere Pläne haben wir soweit erfüllt. So vieles ist passiert, ein Ereignis jagte das andere und all das beeinflusste die Richtung und das Tempo unserer Arbeit. Aber ein Thema wurde für uns immer wichtiger: die Flüchtlingskrise.

Unsere Aufgaben haben wir immer mit gutem Willen und großer Tatkraft angepackt und manchmal scheint es mir, als hätten wir mit unserem kleinen Team Wunder vollbracht: In einem Jahr haben wir 28 Delegationsbesuche aus Slowenien empfangen, fast 800 Berichte geschrieben und 24 Kulturveranstaltungen organisiert - im Durchschnitt zwei Veranstaltungen pro Monat. Unter den Botschaften haben wir eine der meistbesuchten Facebook-Seiten, mit fast 1000 Veröffentlichungen und oft auch über 10.000 Besuche pro Post. Ohne Ihre Hilfe, liebe Leser, die uns auf unserer Facebook-Seite begleiten, wäre das hier alles nicht möglich gewesen. Dafür danken wir Ihnen von ganzem Herzen - wir werden genauso weitermachen, versprochen!

Wir haben festgestellt, dass Sie an den Posts über slowenische Natur, Kulinarik und Sport besonders interessiert sind. Das freut uns. Das sind die vielfältigen Facetten unseres Landes. Diese können sich wahrlich sehen lassen. Sie sind Botschafter der wirtschaftlichen, sportlichen und kulinarischen Kategorie. Ich verrate Ihnen, womit wir die meiste  Aufmerksamkeit bekommen haben – mit Peter Prevc und Krainer Wurst! Wenn eine der angesehensten deutschen Zeitschriften in einem halbseitigen Bericht über Prevc und über ein "unbekanntes Flugobjekt" berichtet oder uns die Besucher unserer Veranstaltungen versichern, dass Sie noch nie eine so gute Wurst (dazu noch gekocht...) gegessen haben, dann hüpft unser Herz vor Freude.

Für deutsche Leser, die uns begleiten, hatten wir zwei Facebook-Gewinnspiele organisiert. Mit großem Interesse haben wir  ihre Berichte über Sehenswürdigkeiten oder Kulinarik Sloweniens gelesen. Inzwischen stellen wir fest, dass fast jeder Reisende von seinem Besuch in Ljubljana und Slowenien schwärmt.

Beeindruckt waren auch alle Besucher der größten Gay-Pride-Parade der Welt - CSD 2015 in Berlin. Wir waren sehr stolz darauf, dass wir uns erstmals in der Geschichte unseres Staates mit einem eigenen Truck präsentiert haben. Seien Sie versichert - am 23.07.2016 werden wir wieder mit einem Truck auf den Straßen Berlins unterwegs sein und für unser grünes und aktives Land werben.

Heute blühen die wirtschaftlichen Beziehungen. Den aktuellen Statistiken ist zu entnehmen, dass die Ausfuhren und Einfuhren Rekordzahlen erreicht haben. Wir gehören zu den wenigen Staaten, die beim Handel mit Deutschland einen Überschuss erzielt haben, da wir meist hochwertige Produkte nach Deutschland exportieren. Und ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass in fast jedem deutschen Fahrzeug ein Bauelement aus Slowenien stammt. Die Aussichten für 2016 sind ebenfalls gut.

Tausende Flüchtlinge und Migranten überqueren seit Mitte September tagtäglich die slowenische Grenze. Seit einigen Monaten ist die Flüchtlingskrise das beherrschende Thema. Auch unsere Botschaft beschäftigt sich intensiv mit der Flüchtlingspolitik. Der Bedarf nach Informationen aus Slowenien ist groß. Zurzeit sind wir ein begehrter Gesprächspartner. Mit den Flüchtlingen kam die mediale Aufmerksamkeit. Auch die der deutschen Öffentlichkeit. Deutsche Journalisten reisen nach Slowenien. Wir vermitteln ihnen fernmündliche und persönliche Kontakte.

Wir bekommen meist positive Resonanz, auch von der Spitze der deutschen Politik. Deshalb bin ich stolz auf unser Slowenien. Die Zustände sind nach wie vor nicht ideal. Was nicht verwundern darf bei mittlerweile 375.000 Flüchtlingen, die bisher unsere Grenze überquert haben. Es ist uns leider nicht möglich, auf jeden Einzelnen einzugehen und Jeden zufriedenzustellen. 

Wir werden uns aber niemals vorwerfen lassen müssen, dass wir nicht alles in unserer Macht stehende getan haben. Wir alle: unsere Regierung, die Polizei, die Armee, die teilnehmenden Nichtregierungsorganisationen und vor allem die vielen freiwilligen Helfer. Und nicht zuletzt auch wir im Ausland, insbesondere hier in Deutschland, sehen unsere Aufgabe darin, die politischen Entscheidungsträger vor Ort zu informieren.

Als wir mit der Flüchtlingswelle konfrontiert wurden, haben wir nicht resigniert. Wir sagten nicht: "Nein, das schaffen wir nicht". Als klar wurde, dass bei täglich mehr als 12.000 Flüchtlingen nicht alle Flüchtlinge in einem warmen Bett schlafen können, sagten wir nicht: "die Flüchtlinge wollen ja eh nicht bei uns bleiben, wir bringen sie nur bis zur österreichische Grenze, sollen sie doch nach Deutschland weiterreisen". Als es uns bewusst wurde, dass wir es alleine nicht schaffen werden, haben wir nicht der Europäischen Union die Schuld gegeben, sondern die Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Diese Hilfe haben wir bekommen.

Aus diesem Grund werde ich mein Jahr 2015 mit positiven Gedanken über unsere Mitmenschen abschließen. Über jene, die tagtäglich aus eigenem Antrieb Gutes tun. Denn auch mit kleinen Taten kann man Großes erreichen.
Grund genug, in unserem Europa und für unser Europa gerade jetzt nicht aufzugeben.

Marta Kos Marko
Botschafterin