Botschaft der Republik Slowenien in Berlin /Kulturabteilung /

Gregor Jagodič
Leiter des Slowenischen Kulturzentrums Berlin
Tel:+49 (0)30 206 145 50
E-Mail: gregor.jagodic(at)gov.si

 

Im Jahr 2000 feierte Slowenien zwei große Jahrestage: den 450. Jahrestag des Erscheinens des ersten slowenischen Buches, das von Primož Trubar herausgegeben worden war, und den 200. Jahrestag der Geburt des größten slowenischen Dichters France Prešeren. Der erste Jahrestag erinnert an die Schaffung der Grundlagen der slowenischen Schriftsprache. Der zweite an die Zeit der slowenischen nationalen und kulturellen Wiedergeburt und Entstehung des ersten nationalen Programms. Das Jahr 2008 wird im Zeichen des 500. Todestages des Reformators Primož Trubar stehen. Kunst und Kultur haben in der slowenischen Geschichte einen besonderen Stellenwert. Sie dienten den Slowenen ebenso wie einigen anderen mitteleuropäischen Völkern in mancherlei Hinsicht als Ausgleich für das Fehlen eines eigenen Staates und eigener Institutionen des politischen Lebens. Wir Slowenen haben es gerade unserer eigenen Sprache und Kultur zu verdanken, dass wir uns Jahrhunderte lang behaupten konnten. Es ist nicht bekannt, dass sich irgendeine andere Nation einen Kulturfeiertag als Nationalfeiertag ausgesucht hätte. Das haben wir Slowenen getan: Der 8. Februar ist der Todestag von unserem Riesen dichterischer Sprache, France Prešeren, und für uns einer der größten Feiertage im Jahr. Jedes Jahr am Vorabend des 8. Februars verleiht der Staat gemeinsam mit dem Kulturministerium die höchsten Kulturauszeichnungen an Kulturschaffende mit beachtetsten Leistungen.

Slowenien verwendete immer viel Energie auf die Kultur. Das Ergebnis sind ein reiches kulturelles Leben und ein weitverzweigtes Netz von Einrichtungen, Organisationen und Kulturvereinen. Vergleichbar mit den entwickelten europäischen Ländern. Bibliotheken, Museen, Galerien der bildenden Kunst, Berufstheater und Musikeinrichtungen sind über das ganze Land verteilt. Und mehr! Die Die slowenische Philharmonie ist eine der ältesten im europäischen Raum und feierte 2001 ihr 300. Bestandsjubiläum.

Wir Slowenen sind ein Volk von Schriftstellern und Lesern. Vor knapp zwei Jahrzehnten hielt Slowenien den europäischen Rekord in der Zahl der publizierten neuen Bücher pro Einwohner. In Slowenien gibt es rund 150 Verlagshäuser. Um Bücher zu lesen, gehen die Slowenen besonders gern in Bibliotheken. Die wichtigste darunter ist die zentrale National- und Universitätsbibliothek in Ljubljana, gegründet bereits 1774. Zwei der bedeutendsten Autoren der slowenischen Kultur und Literatur sind die bereits oben erwähnten, Reformator Primož Trubar und Dichter France Prešeren. Interessant ist, dass ein Teil von Prešerns Gedicht Zdravljica (Trinklied) zur Staatshymne der heutigen Republik Slowenien wurde. Insbesondere das 20. Jahrhundert brachte der slowenischen Kultur bedeutende literarische Werke und Verfasser. Darunter den größten slowenischen Dramatiker Ivan Cankar, den Dichter Srečko Kosovel und zeitgenössische Dichter wie Ciril Zlobec, Kajetan Kovič, Tomaž Šalamun, Dane Zajc und Schriftsteller wie Vitomil Zupan, Drago Jančar und Lojze Kovačič.

In Slowenien gibt es zwei professionelle Opern- und Balletthäuser und zahlreiche weitere Berufstheater. Am wichtigsten sind das Nationaltheater sowie Opern- und Baletthaus in Ljubljana, das Nationaltheater sowie Opern- und Baletthaus in Maribor, das Nationaltheater Drama in Ljubljana, das Jugendtheater Ljubljana und das Marionettentheater Ljubljana. Alle zusammen verbuchen jährlich über 650.000 Besucher.

Mittels Subventionen fördert der Staat auch die Produktion neuer slowenischer Filme. Einige davon haben bereits internationale Preise gewonnen. Im Jahr 2005 feiern wir den 10. Jahrestag der der Slowenischen Filmstiftung und den 100. Jahrestag des slowenischen Filmschaffens.

In der slowenischen Kultur nimmt die Musik mit ihrer jahrhundertealten Tradition einen besonderen Platz ein. In Slowenien gibt es fünf Berufsorchester und eine Vielzahl guter Instrumental- und Vokalkünstler, die über die Grenzen von Slowenien hinaus bekannt sind. Interessant ist z.B., dass es allein in Ljubljana in 4 Zyklen über 7.000 Abonnenten gibt. Das ist für eine Stadt mit 300.000 Einwohnern eine außerordentlich große und bewundernswerte Zahl. Der größte Konzertsaal ist im Kultur- und Kongresszentrum Cankarjev dom, das in seinen sechs Sälen jedes Jahr beinahe 1000 Veranstaltungen vorbereiten.

In unserem Land gibt es 45 ständige Galerien und über 800 Räume, die zeitweise für Ausstellungen bildender Kunst genutzt werden. Die beiden wichtigsten befinden sich in Ljubljana. Die Die Moderne Galerie, mit Exponaten der bildenden Kunst, und die die Nationalgalerie mit einer Sammlung von Werken älterer slowenischer sowie europäischer Meistern. Die slowenische Malerei wurde in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit den Impressionisten, weltweit bekannt. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich auch die Graphische Schule Ljubljana einen internationalen Namen gemacht.

Im slowenischen Kulturerbe genießt Architektur einen besonderen Stellenwert. Der berühmteste slowenische Architekt Jože Plečnik war ein Pionier der modernen slowenischen und europäischen Architektur. In den letzten 10 Jahren war das Interesse an Plečnik außerordentlich groß und sein Werk hat bewiesen, dass Plečnik als Schüler des berühmten Otto Wagner ein großer Kosmopolit war. Sowohl in Slowenien als auch im Ausland gibt es eine Reihe seiner Werke zu bewundern. Darunter sind unter anderem die Renovierung der Prager Burg (Hradschin) und einige wichtige Gebäude in Wien. Auch Ljubljana ist erkenntlich durch Plečniks Architektur geprägt. Wenn man einen Spaziergang durch das Stadtzentrum macht, kann man die National- und Universitätsbibliothek, die "Dreibrücken" sowie einen der schönsten Marktplätze in Europa nicht verfehlen. Das alles und noch viel mehr hat der Stadt ein Siegel von Plečnik verliehen. Zahlreiche seine Schüler setzten in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts Plečniks Stil in ihrer Arbeit fort.

Diese kurze Übersicht und Betrachtungen zur slowenischen Kultur sollen nur einen flüchtigen Einblick in die außerordentlich reiche und bedeutende Slowenische Kultur gewähren. Sie sollen als Beweis dafür dienen, dass Kunst und Kultur für Slowenen wichtige Elemente zum Ausdruck und Empfinden der nationalen Identität sind.